Chronik 1548 - 1699

Geschrieben von Joachim Degner am 05. Januar 2013.

Durch die große Glaubensrevolution in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts war es zu einer Spaltung gekommen, die es unmöglich machte die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen und die unter katholischen, lutherischen und calvinistischen Fahnen sich scheidenden deutschen Schützen zu versöhnen und zu vereinen. Immerhin gelang es wenigstens, wenn auch schwer, einige Jahre lang eine gegenseitige Duldung der nach Ständen, Waffen und Glauben gesonderten Schützenbrüderschaften zu erreichen.

Die, aus den Religionsstreitigkeiten, der Türkennot und den Hilferufen der Ungarn, entstandenen Kriegsverwirrungen, ließen die bayerischen Fürsten mit Bangen in eine Zukunft blicken, in der Sie das Herannahen einer unheilvollen blutigen Katastrophe sahen und deshalb alles daran setzten um die Wehrkraft des Landes zu stärken. Als erstes schlug eine, von Herzog Wilhelm V. eingesetzte, Kommission vor alle Schießstätten im Lande wieder in Betrieb zu nehmen. Im Jahr 1550 befahl Herzog Albrecht V., wegen des übermäßigen Wildprettschießens durch die Bauern, alle, durch seinen Vater Herzog Wilhelm IV. ins Leben gerufenen, Schießstätten für aufgehoben, sowie die Ablieferung sämtlichen Schießzeuges. Zehn Jahre später, 1560, folgte das Verbot zur Benutzung von geschraubten und gegossenen Büchsen. Durch diese Verordnungen Herzog Albrecht`s V. hatte die Wehrfähigkeit der Landbewohner so stark gelitten, dass zum Teil in so manchen Gerichten keine Feuerwaffen mehr vorhanden waren.

In Abensberg dagegen setzten die Büchsen-, sowie die Stachelschützen die, wie im letzten Kapitel berichtet, nachweislich bis 1590 noch existierten, ihre Übungsschießen, unbeeindruckt der Wirren um sie herum, fort. Das Schützenwesen in unserer Vaterstadt stand sozusagen in voller Blüte. Eine Pfleggerichtsrechnung von 1579 besagt sogar, dass die Büchsenschützen am Tag Corpus Christ (= Fronleichnam) ihre "Haken" bei den Evangelien abfeuerten und dafür von der Stadt für das benötigte Pulver 4 Pfennig erhielten.

Vier Jahre später, 1583, vermutlich beeinflusst durch die Herzögliche Verordnung zur Hebung des Schützenwesens, gab die Stadt ihren Schützen, also sowohl den Büchsen-, als auch den Stachelschützen, zusätzlich zum Herren Vortel einen Stadt Vortel von 1 Heller 6 Pfennig.

Schon bald hatte er nach seinem Regierungsantritt einen Kriegsrat gebildet und an dessen Spitze den im Kriegswesen erfahrenen Alexander von Haslang, Pfleger von Abensberg, gestellt. Gemäß eines Generalmandates von Herzog Maximilian, vom 30. Dezember 1600, fand, zur Bildung der Landfahnen, eine allgemeine Landesmusterung statt.Hierbei wurde jeder 10. gemusterte zur Landesverteidigung herangezogen. Die Stadt Abensberg musste dies- bezüglich innerhalb 8 Tagen 59 Mann, nämlich 3 mit Rüstung oder Harnisch und Hellebarde, 26 mit Harnisch und langen Spießen, 10 mit Musketen, 20 mit Halbhaken sowie je einen Pfeiffer und Trommelschlager, auswählen. Des weiteren wurden Bürgermeister und Rat der Stadt Abensberg zur Abhaltung von Übungen aufgefordert, so dass:

jeder Doppelsöldner seinen Harnisch alleine an und ablegen konnte und sich mit dem angelegten Harnisch zu verteidigen wusste, die Schützen ihre Musketen und Halbhaken richtig und schnell laden lernten und sicher schießen konnten, Zudem mussten die Doppelsöldner und Schützen bei schönem Wetter ins Feld geführt werden, damit sie lernten in Ordnung zu gehen.Gemäß der Stadtkammerrechnungen wurde mit den Übungen sofort begonnen. Selbige fanden ausnahmslos an allen Feiertagen statt. Die nicht ausgewählten Schützen und jungen Bürger setzten ihre Übungs- und Vortelschießen ebenfalls fort. Hierfür erhielten sie von der Stadt im Jahr 1602 2 Heller und im Jahr darauf sogar 4 Heller als Schützenvortel bewilligt. Bereits am 19. April 1602 wurde den ausgewählten Schützen, auf Herzöglichen Befehl, die Erleichterung eingeräumt, dass sie für die Kosten "für Kraut und Lot bei den Feiertäglichen Übungen" nicht mehr selbst aufkommen mussten, sondern die nichtausgewählten Bürger. Die Schützen der Stadt Abensberg erhielten von 1605 - 1610 regelmäßig den Landgerichtlichen, sowie den Stadt Vortel ausbezahlt. Im Jahr 1610 sogar mit dem magistratischen Auftrag verbunden:

"Es sollen alle jungen Bürger zwei Sommer mitschießen".

1611 wird der Schütze Sebastian Weidenmüller von der Stadt zu einem Schießen nach Berching geschickt. Er erhielt hierfür das Leggeld (= Einlage) in Höhe von 2 hl 3ß 15db (hl = Heller, ß = Schilling, db = Pfennig) ausbezahlt. Nachdem er jedoch beide Beste gewonnen hatte, zahlte er der Stadt das Leggeld zurück.

Laut einer Stadtkammerrechnung aus dem Jahr 1613 erhielten die Schützen für die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession, bei der sie bei den 4 Evangelien ihre Gewehre abfeuerten, 4 ß 20 db. Die gleiche Rechnung lässt uns auch wissen, dass die Schützen ihr Endschießen mit darauffolgender Mahlzeit am Cäcilientag, 16. September abhielten. 1614 fand "dahier ein öffentlich ausgeschriebenes geselliges und nachbarliches Schießen" statt. Hierfür erhielten die Schützen, vom Rat der Stadt, 5 hl zum Vortel ausbezahlt. Der Rat der Stadt stellte zudem für die Gäste 8 Maß Wein (= 8,56 Liter) zur Verfügung. Erneut wird Sebastian Weidenmüller von der Stadt, im Jahr 1616, zu einen Schießen geschickt. Diesmal nach Hemau, und wie schon 5 Jahre zuvor, erhält er auch diesmal das Leggeld, 4 hl, von der Stadt. Während in den Jahren 1614 - 1618 der Stadt- und Landesherrliche-Vortel regelmäßig an die Schützen ausbezahlt wurde, erhielt der Rat der Stadt Abensberg am 18 Juli 1618 einen herzöglichen Befehl, vom 30 Juni 1618, übersandt .

In ihm wird mitgeteilt, "dass wegen des seit einigen Jahren bei den Landfahnen eingeführten Exerzierens und des dorthin gegebenen Vortels der bisher den bürgerlichen Schützen gewährte Vortel bei allen Städten und Märkten aufgehoben wird.

Für die Abensberger Schützen bedeutete dies, " dass sie die jährlich bezogenen 12 hl nicht mehr erhalten, dass

man es jedoch gerne sehe und gestatte, wenn den Schützen der Bürgerschaft künftighin dieser Vortel von der Stadtkammer gereicht werden wollte". Es war damals eine unheilvolle Zeit. Die innenpolitischen und religiösen Gegensätze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren nicht weniger problematisch als die außenpolitische Konstellation. Der uralte Antagonismus, der bekannte Gegensatz zwischen Kaiser und Fürsten, hatte seit Jahrhunderten die deutsche Geschichte bestimmt. Seit der Kirchenspaltung differenzierte sich das Problem noch mehr, da den katholischen Kaisern nun protestantische und katholische Fürsten gegenüberstanden. Zum politisch-wirtschaftlichen Konflikt war eine religiöse Komponente hinzugekommen. Zwar hatte der Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555 eine reichsrechtliche Regelung religiöser Streitfragen festgelegt, aber die Mächtigen hielten sich nicht an die Abmachungen. Im Norden des Reiches wählten zahlreiche Domkapitel protestantische Fürsten zu "Administratoren", obwohl nach dem "geistlichen Vorbehalt" kein Protestant ein geistliches Territorium beherrschen sollte.

Erst im letzten Viertel des Jahrhunderts beendete die Gegenreformation die weitere Ausbreitung des lutherischen und calvinistischen Bekenntnisses. Zentrum des wieder erstarkten Katholizismus war Bayern unter Herzog Albrecht V. Ihm gelang es, seinen Sohn Ernst zum Bischof von Freising, Hildesheim, Lüttich, Münster - und nach offenem Krieg gegen den zum Protestantismus übergetretenen Erzbischof von Köln - auch zum Herren dieses Erzbistums zu machen.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts brach der religiöse Konflikt in voller Schärfe aus. Der Katholizismus hatte an Schulen und Universitäten sowie an Fürstenhöfen Fuß gefasst und versuchte nun, die verlorenen Positionen wieder zurückzugewinnen, während die Protestanten untereinander höchst uneigen waren, und die Lutheraner den kämpferisch-aktiven Calvinisten misstrauten. In der kleinen reichsfreien Stadt Donauwörth traten die religiösen Gegensätze offen Zutage. Um 1600 gab es dort nunmehr wenige katholische Familien, die von dem Benediktinerkloster Zum Heiligen Kreutz geistlich betreut wurden. Die Mönche waren vom Geist der Gegenreformation erfüllt und trugen bei einer Prozession die Kirchenfahne nicht mehr wie früher eingerollt, sondern im Winde flatternd über städtisches Gebiet. Die Protestanten fühlten sich herausgefordert, jagten die Prozession auseinander und zerrissen die Fahnen. Nachdem sich die protestantischen Bürger einem Spruch des obersten Reichsgerichts, des Reichshofrats in Wien, nicht beugten, verhängte der katholische Kaiser über die Stadt die Reichsacht und beauftragte den katholischen Herzog Bayerns mit der Exekution.

Herzog Maximilian I. zog mit einer Armee von 5000 Mann vor die Stadt, die sich unterwarf. Er verleibte sie kurz darauf seinem Herzogtum ein, als Pfand für die entstandenen Kriegskosten. Dieser Vorfall hatte Signalwirkung. Die benachbarten Reichsstädte und protestantischen Fürsten sahen darin eine Verletzung des garantierten Landes- und Religionsfriedens. Die militärischen Bündnisse der protestantischen "Union" (1608 unter der Führung des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz gegründet) und der katholischen "Liga" (1609 auf Initiative des Bayernherzogs Maximilian geschlossen) waren die unmittelbare Folge. Jede der beiden Parteien beobachtete von nun an die andere mit Misstrauen und rüstete zum Krieg. Dieser entzündete sich dann auch am 23. Mai 1618 auf dem Prager Hradschin, verbreitete sich allmählich über ganz Deutschland und später über ganz Europa. Er übertraf an Wildheit, Grausamkeit, Greultaten und Verwüstung aller Orts, alle bis zum damaligen Zeitpunkt gewesenen Kriege und, er sollte 30 Jahre dauern.

Leider sind für die Jahre 1619 bis einschließlich 1628 keinerlei Unterlagen bezüglich des Schützenwesens in Abensberg vorhanden. Es existiert jedoch eine Abschrift eines Musterregisters über das "Abensbergisch Fänndl". Das insgesamt 304 Mann starke Fänndl setzte sich aus 149 Doppelsöldnern und 155 Musketieren und Schützen zusammen. Gestellt wurden diese von der Stadt und dem Landgericht Abensberg (89 Mann), Hofmark Paring (3 Mann), Markt und Hofmark Rohr (23 Mann), Stadt und Landgericht Neustadt (70 Mann), Hofmark Pülmessen (1 Mann), Markt und Landgericht Altmannstein (32 Mann), Markt Essing (1 Mann), Hofmark Randeck (8 Mann), Markt und Landgericht Mainburg (54 Mann), Hofmark Leitenbach (2 Mann), Hofmark Meilenhofen (3 Mann), Hofmark Rieterswürth (1 Mann), Hofmark Ratzenhofen (13 Mann), Hofmark Sandelzhausen (2 Mann) und Hofmark Berghausen (2 Mann).

Die beiden jüngsten unter ihnen waren Michael Loibl, von Kirchdorf aus dem Landgericht Abensberg und Wolf Seidl, von Oberwangenbach aus dem Landgericht Mainburg. Veith Schneider, von Schwabstetten aus dem Landgericht Altmannstein war mit seinen 49 Jahren der älteste im Fänndl.

Erst als Anfang 1629, in Folge des vom Feldherrn des Kaisers Ferdinand glücklich geführten Krieges, auch im Norden Deutschlands der Friede wieder zurückzukehren schien, regte sich in Abensberg wieder das Schützenwesen. Vom Rat der Stadt wurde zum Schießen am Markt Egidi (heutiges Gillamoosschießen) ein Zuschuss von 3 hl (= Heller) genehmigt und der Stadt-Vortel von 5 hl ausbezahlt. Während man nach dem Frieden von Lübeck, im Jahr 1629, zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Ferdinand II. und König Christian IV. von Dänemark, auf eine allseitige Einstellung der Kriegerischen Handlungen hoffte und der Kaiser, Anfang 1630 den größten Teil seiner in ganz Deutschland einquartierten Truppen entließ, betrat am 6. Juli 1630 der Schwedenkönig Gustav II. Adolf mit 15000 Kriegserprobten Soldaten deutschen Boden und entzündete den Krieg noch furchtbarer als er bisher war.

Waren die Kaiserlichen Truppen bisher siegreich, so änderte sich dies mit einem Schlag, als der Schwedenkönig und nach ihm seine Feldherren Bayern zum Kriegsschauplatz machten. Aufgrund der Aufrüstung die nunmehr Kurfürst Maximilian I. von Bayern und sein Feldherr Tilly in den Wintermonaten 1631 / 32 verstärkt betrieben, wurden auch die Abensberger Schützen zur Landesverteidigung herangezogen.

Im Frühjahr 1632 setzte Gustav II. Adolf seinen Vormarsch durch Deutschland fort. Bei Rain am Lech schlug er das kaiserlich-ligistische Heer vernichtend. Tilly selbst wurde in der Schlacht so schwer verwundet, dass er wenige Tage später starb. Sein Nachfolger wurde Wallenstein. Durch den Tod Tillys war Bayern schutzlos dem Sieger preisgegeben. In Abensberg mussten 18, der zur Landesverteidigung herangezogenen, Schützen zur Verteidigung der Festung Ingolstadt abrücken. Hierfür erhielt jeder von ihnen als Zehrung von der Stadt Abensberg 2 Gulden ausbezahlt.

Am 28. April 1632 begann dann Gustav II. Adolf die Festung Ingolstadt zu belagern, und von diesem Zeitpunkt an war unsere Stadt Abensberg samt Umland Schauplatz furchtbarer Kriegsnot. Der Schwedengeneral Horn verwüstet und brandschatzt unsere Stadt Abensberg, am 1. Mai, auf seinem Zug von Ingolstadt nach Regensburg.

Am 29. Oktober wurde Abensberg erneut, diesmal vom Schwedengeneral Herzog Bernhard von Weimar und seinen Horden, geplündert und die Rüstkammer der Burg wurde vollständig ausgeraubt. Nach dem Fall Regensburgs setzten sich die schwedischen Abteilungen in Abensberg, Kelheim, Rohr und der ganzen Umgebung fest und verursachten allerorts unermesslichen Schaden und Verwüstung. Ende 1633 war schließlich ganz Bayern und die Oberpfalz von schwedischen Truppen besetzt. Erst im Juli des darauffolgenden Jahres gelang es, unter größter Anstrengung, den verbündeten kaiserlichen und bayerischen Truppen die Hauptmacht der Schweden von Regensburg und unserer Umgebung zu verdrängen und zum Rückzug nach Schwaben zu zwingen. Dort versuchten die Schwedengeneräle Herzog Bernhard von Weimar, vereint mit General Horn, in einer offenen Feldschlacht das Blatt noch zu wenden. Jedoch am 6. September wurden, durch den kaiserlichen General Gallas und die Bayern, die schwedischen Abteilungen so zersprengt, dass unsere Stadt und Umgebung einige Jahre von denselben befreit blieb, und das obwohl durch immer stärker werdende Teilnahme Frankreichs an dem Krieg sich derselbe über ganz Europa ausbreitete.

In der Gegend um Abensberg sah es traurig aus. Die Ratsprotokolle der Stadt, von 1636, berichten mehrfach über die Abhaltung von Wolfsjagden, sowie den Schutz der ödstehenden Dörfer und Bauernhöfe. Kaum hatten sich in den Jahren 1636 - 1640 allmählich die verlassenen Dörfer wieder belebt, waren Speicher, Scheunen und Ställe mit Lebensmittel gefüllt, da drohte der Krieg mit Beginn 1641 erneut über unsere Stadt hereinzubrechen.

Der Schwedengeneral Banner, dem die, auf dem Reichstag zu Regensburg, im Herbst 1640 eingeleiteten Friedensverhandlungen nicht nach Wunsch vorwärts gingen, war, aus Niedersachsen kommend in Bayern eingefallen. Am 22 Januar 1641 war er bereits mit seinen Fußtruppen bis nach Regensburg und mit seinen Reitertruppen sogar bis nach Kelheim vorgerückt. Er konnte sich jedoch nicht lange halten. Denn schon im März wurde er durch kaiserliche und bayerische Truppen, darunter die Abensberger Schützen u. der Landfahnen unter dem Kommando des Landleutnants Jacob Gadelott, zum Rückzug nach Sachsen gezwungen. Nachdem unsere Schützen an den heimatlichen Herd zurückgekehrt waren, begannen Sie noch im Jahr 1641 mit ihren friedlichen Waffenübungen durch Vortelschießen.

1642 erhielten Sie zum Hosenschießen vom Rat der Stadt 6 hl und zum Ankauf eines Trommelspielers aus Regensburg 5 hl. Da die hiesigen ausgewählten bürgerlichen Schützen bereits im Januar 1643 den Bereitschaftsbefehl zum Ausmarsch erhalten hatten, richteten Sie ein Bittgesuch datiert auf den 14. Januar 1643 an den Rat der Stadt. Sie baten darin um Hilfe und Unterstützung, seitens der Stadt, da "nachdem der meiste Teil, wenn sie urplötzlich hinaus sollten, wovon sie keine Stund sicher, weder mit Kleidern noch anderen Nötigem versehen wären und auch ihr Vermögen nicht sei, um solche beschaffen zu können, zumal ein guter Teil von ihnen das tägliche Brot für Weib und Kind kümmerlich erwerben müssen". Dieses Bittgesuch wurde jedoch abgewiesen "weil die Stadt bei den großen täglichen Ausgaben so sehr erschöpft sei, dass man den ausgewählten Schützen, so gerne es auch geschehen wäre, nicht mit dem Geringsten behilflich sein könne".

Bald darauf mussten die Schützen, unter ihrem Schützenmeister Sebastian Märkel, nach Aichach abmarschieren, wo Sie längere Zeit als Besatzung lagen. Während der Krieg im Norden und Westen Deutschlands in den Jahre 1643 und 1644 mit wechselndem Waffenglück unvermindert weitergeführt wurde, entstand ein allgemeiner Ruf nach Frieden. Der Bayerische Kurfürst Maximilian I. setzte jedoch ununterbrochen, ungeachtet der von ihm selbst bereits geführten geheimen Unterhandlungen mit Frankreich, seine Rüstung zum Krieg fort, veranlasste doch der Abzug der französisch-weimarischen Armee, unter Thurene, allgemeine Vorsichtsmaßnahmen. Die Furcht vor einem neuen feindlichen Einfall war allgegenwärtig. Deshalb sandte auch der Rat der Stadt Abensberg ein Bittgesuch an Oberst Crinelli in Ingolstadt. Darin baten sie "es möchten die Abensberger Schützen bei dieser gefährlichen Zeit zur Verteidigung der Stadt nach Hause gesandt werden".

Als Kurfürst Maximilian I. von Bayern sich nicht entschließen konnte, den von Frankreich angebotenen, vorteilhaften, Waffenstillstand anzunehmen, vereinigte sich Thurene nach dreimonatlichem warten Anfang August 1646 bei Gießen mit dem Schwedengeneral Wrangel. Anfang September fiel die gesamte Armee in zwei Heeressäulen in Bayern ein. Volle 4 Wochen wurde nun das Land in einer unbeschreiblichen Weise verwüstet, bis in den ersten Oktobertagen sich die bayerischen und kaiserlichen Truppen in Regensburg vereinigen konnten. Nun rückte ein Teil über Landshut - Moosburg und Freising, der andere Teil über Abensberg - Geisenfeld und Neuburg, dem französischen Heer entgegen. Weder der eine noch der andere Teil der Verteidiger ließ sich auf ein Treffen mit dem Feind ein, sondern versuchte selbigen durch stetes Hin und Hermarschieren müde zu machen. Und endlich, in den ersten Dezembertagen zwang der Mangel an Lebensmittel und Futter die Schweden zum Rückzug nach Oberschwaben.

Während dieser Schreckenszeit (August bis Ende Nov./Anfang Dez) war ein Teil der Abensberger Schützen 13 Wochen zum Schutz der Festung Ingolstadt abkommandiert worden.

Als am 22. November einige Reiter mit 25 Stück Vieh, das diese Pförringer Bauern gestohlen hatten, an der Stadt vorbeikamen, wurden Sie von 9, zu Hause gebliebenen, Schützen und Bürger überfallen. Trotz der Fortdauer des Krieges wurden während der Jahre 1643 - 1647 die regelmäßigen Übungen der Schützen ununterbrochen fortgesetzt. Sie erhielten sogar für diese Jahre die üblichen Vortelgelder, in Höhe von 6 hl, ausbezahlt.

Gott setzte endlich ein Ende, dem, niemals genug zu beklagenden Schwedenkriege. Dir, goldener Friede, ziehen wir, die Überlebenden alle, grüssend entgegen, und lobpreisen Gott jetzt und allezeit!

Ganz Deutschland und besonders unser Vaterland Bayern bot nach dem endgültigen Friedensschluß 1648 - im katholischen Münster mit Frankreich und im protestantischen Osnabrück mit Schweden - einen erschütternden Anblick, in dem unzählige Dörfer und Städte verbrannt, verwüstet und entvölkert waren. Nach dem Steuerbuch der Stadt Abensberg vom 14. November 1655 war die Zahl der hiesigen Bürger auf 92 Köpfe herabgesunken. Es ist daher erstaunlich, dass die hiesigen Schützen bereits ab 1649 bis nachweislich 1705 ununterbrochen ihre Übungen abhielten und den Stadtvortel ausbezahlt erhielten. Nachdem Kurfürst Maximilian von Bayern, ab dem Ende des 30jährigen Krieges verstärkt abrüstete und versuchte die Not und das Elend in Bayern durch Erlass der Steuer und andere Unterstützungen zu lindern, erfolgte unter Kurfürst Ferdinand Maria 1654 der Befehl zur Neuorganisation der Landfahnen.

Durch Generalmandate vom 22. Dezember 1656, 24. Januar 1661 und 25. Oktober 1669 wurde für alle Städte und Märkte die Anordnung getroffen, "dass jeder neuaufgenommene junge Bürger wenigstens drei Sommer hindurch die ordentlichen Schießstätten zu besuchen und sich dort im Ziel- und Scheibenschießen zu üben hat". Es wurde auch die Verfügung getroffen, im Generalmandat vom 22. Dez. 1656, dass die seit langer Zeit eingeführten "von Landesfürstlicher Herrschaft" gegebenen Schützenvortel wieder einzuführen sind.

Die Pflegsverwalter erhielten den Auftrag, über den Vollzug der Ausführung zu wachen.

Doch zurück nach Abensberg. Im Sommer 1654 belief sich die Anzahl an Schützen auf 12 Mitglieder und dem Schützenmeister Balth. Neuhauser, sowie dem, von der Stadt gegebenen Oberschützenmeister August Aunkofer. Die 12 Schützen waren Namentlich:

  • Paul Kirchvogl, Lebzelter,

  • Paul Hackmeier, Lederer,

  • Simon Keller, Ökonom,

  • Michael Koller, Wagner,

  • Hans Leierer, Weber,

  • Hans Pollet, Mauerermeister,

  • Adam Demelhuber, Bräuer,

  • Hans Klinger, Zimmermeister,

  • Math. Krelinger, Metzger,

  • Georg Merz, Gastgeber,

  • Valentin Schäffer, Wagnergeselle,

  • Hans Casp. Frank, Metzgergeselle.

Als die Schützen am 13. September ihr Endschießen mit der üblichen Mahlzeit abhielten, verursachten die anwesenden Frauen derselben "ein Grein und schließlich Raufhandel" weshalb die betreffenden Schützen und ihre Frauen zu je 4 Schilling Pfennig vom Rath der Stadt bestraft wurden.

Am 17. August 1672 fand eine Verhandlung des Pfeggerichtes Abensberg gegen Nicolaus Bernhardt von Egg und den Schützenmeister Balthasar Neuhauser statt. Der Grund war "Dieselben hätten eine unanständige Venusscheibe aufgestellt und dem Pfarrer Trotz gebo-ten" so der Abensberger Stadtpfarrer Dr. theol. Benedikt Gailler in seiner Anzeige. Als Folge eines Kurfürstlichen Hofratserkenntnisses vom 5. September wurde sowohl der Schützen-meister als auch der Maler Hans Jakob Khain verhaftet und 3 Tage in Schellen gelegt. 1672 ließ sich Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern selbst durch die Drohungen des deutschen Kaisers Leopold I. nicht davon abhalten in dem bevorstehenden Krieg mit Frankreich die bayerische Neutralität aufrecht zu halten. Zu diesem Zweck machte er sein Heer mobil, verstärkte die Garnisonen und, ließ die Festungen Ingolstadt und Braunau eiligst aus- bessern. Den Schützen wurde sowohl 1672, als auch 1673 der bisherige kurfürstliche Vortel entzogen und den Landfahnen zugeteilt.

Auch den Abensberger Schützen wurde somit diese Einnahmequelle entzogen. Stattdessen erhielten Sie ab 1674 zusätzlich zum StadtVortel den bei den damaligen Städten, Märkten und Dörfern gebräuchlichen Kirchweih-Vortel in Höhe von 1 hl 30 db ausbezahlt.

Am 21. September 1681 lud der kurfürstliche Oberrichter Johann Adam Präntl von und zu Irnsing die Stadt und Schützen Abensbergs zu einem Freischießen nach Irnsing ein. Die Stadt entsandte die beiden Schützen Carl M. Luckenbacher und Wolfgang Gabriel Mödlhamer dorthin.

Am 31. März 1683 wurden, gemäß dem kurfürstlichen Auftrag vom 22. März 1683, vom Rat der Stadt Abensberg alle in der Stadt befindlichen Schützen beschrieben. Diese Beschreibung wurde dann dem kurfürstlichen Pfleger von Abensberg und Altmannstein Johann Niklas Freiherr von Haslang vorgelegt.

Da diese Beschreibung getrost als das älteste Mitgliederverzeichnis der Gesellschaft betrachtet werden kann, sind doch in ihr sowohl der vollständige Name, als auch der jeweilige Beruf und das Alter jedes einzelnen angegeben, sollen nun diese 29 Schützen folgen

  • Carl Jacob, des äußeren Rats, Bäcker 35 Jahre

  • Ferdinand Aman, des. äußeren Rats, Bräuer 31 Jahre

  • Adam Willibald, des äußeren Rats, Riemer 48 Jahre

  • Wilderer Georg, des äußeren Rats. Crembhändler 25 Jahre

  • Schorner Hans, Metzger 44 Jahre

  • Hackner Barth., Lederer 24 Jahre

  • Tschuk Hans, Hufschmied 48 Jahre

  • Pollet Hans, Mauerermeister 46 Jahre

  • Seitz Hans, Schneider 42 Jahre

  • Geisler Andreas, Schreiner 40 Jahre

  • Schallndorfer Jakob, Wagner 40 Jahre

  • Höller Thomas, Bäcker 45 Jahre

  • Aumayer Wolfgang, Bräuer 45 Jahre

  • Neuhauser Georg, Wagner 35 Jahre

  • Willibald Math., Seiler 32 Jahre

  • Karzenberger Hans, Sattler 40 Jahre

  • Rösch Math., Siebmacher 26 Jahre

  • Pruner Hans Georg, Schulmeister 26 Jahre

  • Pruner Franz, Cantor 23 Jahre

  • Menzinger Veit, Hafner 28 Jahre

  • Kreilinger Math., Weißgärber 56 Jahre

  • Vallentschky Math., Schlosser 44 Jahre

  • Pogner Simon, Hutmacher 38 Jahre

  • Neumayr Georg, Schuhmacher 25 Jahre

  • Burkhardt Faulstich, Bäcker 30 Jahre

  • Hofbauer Mich., Essigmacher 26 Jahre

  • Haylland Georg, Schuhmacher 27 Jahre

  • Schmotz Paul, kurf. Überreiter aus Aunkofen 34 Jahre

  • Schiesmann Oswald, d. j 20 Jahre 

Von den Schützen aus Abensberg wurden daraufhin 12 zur Landfahne berufen. Als im Jahre 1689 der Schützenmeister Franz Heinrich Lehner den Antrag stellte, die Schützen möchten den Kassenüberschuss verwalten, damit das Schießhaus wieder aufgebaut werden könne, anstatt in alljährlich beim Endschießen zu verzehren, zog er sich zwar den Zorn der Schützen zu, wurde aber seitens des Rats der Stadt gelobt. Sechs Jahre später wurde dann das Gebäude mit einem Kostenaufwand von 102 hl. wieder aufgebaut. Der Betrag wurde von der Gemeinde vorgeschossen, jedoch mussten die Schützen ihn in kleinen Raten zurückzahlen.

Vom Jahr 1662 ist zu berichten, dass die beiden Schützenmeister, bei der Auszahlung des Stadtvortels, ermahnt wurden, "Sie sollen auch das, was ihnen der oberhalb der Schießstätte gelegene Kupelplatz trage in Rechnung bringen, die Schützen heuer wegen Teuerung mit dem Leggeld von 1 hl verschonen, von den eingegangenen Einlagen den Schützenmeister, die Schreiber, Zieler, Trommelschlager und die Scheiben zahlen und endlich vom Rest dann Gewinn machen". Der Rat der Stadt scheint damals überhaupt ein scharfes Auge auf die Schützen geworfen zu haben. Denn auch im Jahr 1667 wurden bei der Vortelgenehmigung die Schützenmeister ausdrücklich darauf hingewiesen: "Die Schützen sollen den Rest künftig hin nicht mehr vertrinken, sondern in der Lade sammeln, um das Schießhaus bauen zu können". 1669 findet sich nach längerer Pause wieder ein Kirchweihschießen verzeichnet. Es fand,natürlich unter Beteiligung von Abensberger Schützen, in Pullach statt. Nachdem Kurfürst Maximilian I. von Bayern vom geschlossenen Waffenstillstand zurückgetreten war, bekam Bayern 1648 noch einmal alle Schrecken des Krieges zu spüren. Aus verständlichen Gründen wurde das Übungsschießen eingestellt und auch kein Vortel an die Abensberger Schützen ausbezahlt. Am 29. Juli 1648 musste unsere Stadt, trotz vorhandenem Schutzbrief , durch Brand und Plünderung von Seiten einer schwedischen Abteilung den Kelch des Leidens bis auf den letzten Tropfen leeren, wenige Wochen vor der ersehnten Friedensbotschaft. Der damalige Stadtschreiber Adam Malsch schrieb in das Ratsprotokoll der Stadt Abensberg: Als Herzog Maximilian im Jahre 1598 an die Regierung kam, machte er es sich zur wichtigsten Aufgabe, das Zielschießen noch mehr zu fördern und die zerfallene Kriegsmacht in Bayern wieder zu Organisieren.

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