Chronik 1914 - Ende 2. Weltkrieg

Geschrieben von Joachim Degner am 05. Januar 2013.

Das für die Welt so verhängnisvolle Jahr 1914 begann für die Abensberger Schützengesellschaft wie immer: Generalversammlung (27.01.) und Schützenball (21.02.). Damit Sie, liebe Leser, einen Eindruck von diesem Spektakel bekommen, folgt nun der Pressebericht bezüglich des Balles:

Frohsinn und Heiterkeit, zwei echte untrennbare Schützentugenden, machten den heurigen Schützenball im "Jungbräu" zu dem was er immer war: zu einem gemütlich-lustigen, vergnügten Abend. Für das, die Einleitung bildende Festspiel, hatte man auf bewährtes Altes zurückgegriffen: "Allerweltsschützenfest in Knallhausen". Herbeigekommen waren Jäger und Schützen aller Zeiten und Länder, als Ehrengäste Tell senior und junior, Diana mit zahlreichem Gefolge, und selbstverständlich nicht fehlen durfte dabei der Allerweltsschlingel und Herzenbezwinger "Amor". Die mannigfachen und schönen Kostüme boten dem Auge ein prächtiges Bild; dessen Rahmen, Saal u. Nebenzimmer, waren Dank der unermüdlichen Hände und eifrigen Bemühungen mehrerer Mitglieder erstaunlich reich und geschmackvoll dekoriert: Grün und Gold, gesäumt mit verschiedenfarbigen Glühlampen; dies zusammen mit entsprechender Deckendekoration und ein Empire¹-Laubengang mit Blumen und Lampions gestalteten die Räume zu einem recht behaglichen Aufenthaltsorte für die zahlreichen Gäste. Die Kapelle spielte flott zum Tanze den wirbelnden Paaren und sie spielte lang und diese tanzten lang! Und weil der Schützenschirmherr, kgl. Schützenkommissär Stark, von der Reise zurück, noch bei seinen Schützen Einkehr hielt, und weil man sich in der Runde eines in seiner Fröhlichkeit glücklichen Völkchens niemals ängstlich nach der Uhr umsieht, u. weil des Hauses vorzügliche Erfrischungs- u. Stärkungsmittel das ihrige beitrugen, u. weil es bei Schützenbrüdern je länger dauernd immer desto schöner wird, so hatte es auch mit der Heimkehr keine Eile. "Dem Glücklichen schlägt keine Stunde" - und ach - es waren ihrer lauter Glückliche. Schützen Heil!   

Folglich eines Telegramms, das der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, Laszlo Graf Szögyény-Marich, nach Wien sendet, sieht das deutsche Auswärtige Amt "in jeder Verzögerung des Beginnes der kriegerischen Operationen große Gefahr betreffs der Einmischung anderer Mächte".

28. Juli: Österreichisch-ungarische Regierung erklärt Serbien um 11 Uhr den Krieg. 30. Juli: Zar Nikolaus II. billigt die Generalmobilmachung in Russland - Russland ist der Verbündete Serbiens. Am gleichen Tag lehnt Großbritannien eine, von Deutschland geforderte, Neutralitätsgarantie ab. 31. Juli: Deutschland stellt an Russland folgendes Ultimatum: "das die deutsche Mobilmachung in Aussicht steht, falls Russland nicht binnen zwölf Stunden seine Kriegsvorbereitungen einstellt und hierüber eine bestimmte Erklärung abgibt". Gleichzeitig erfolgt eine "Anfrage" an die französische Regierung zu deren Haltung bei einem deutsch-russischen Krieg. Beide ultimativen Anfragen sind für die Adressaten unannehmbar. Russland ist zum Krieg bereit und Frankreich ist der Verbündete von Russland. 

Ich bestimme hiermit: Das Deutsche Heer und die Kaiserliche Marine sind nach Maßgabe des Mobilmachungsplans für das Deutsche Heer und die Kaiserliche Marine kriegsbereit aufzustellen. Der 2. August 1914 wird als erster Mobilmachungstag festgesetzt. - Berlin, den 1. August 1914

 Obige Generalmobilmachung wird vom deutschen Kaiser Wilhelm II. um 17 Uhr verfügt. Um 19 Uhr erklärt Deutschland, in Petersburg (heute Leningrad), Russland den Krieg.

 Soweit unser kurzer Ausflug in die Weltgeschichte. Zurück nach Bayern, besser gesagt nach Abensberg. Denn der 10. Juni 1914 war für die hiesige Schützengesellschaft ein Freudentag. Kein geringerer als Seine Majestät König Ludwig III. von Bayern stiftete der Gesellschaft für ihre Schützenkette eine Gedenkmünze. Wenige Wochen später allerdings hatte der Krieg auch Abensberg und somit unsere Gesellschaft erreicht.

 Im Chronikbuch findet sich zunächst der Eintrag: "Krieg, 31. Juli 1914." Darunter kann man lesen: In Folge des Krieges wurde kein Gillamoosschießen abgehalten. Auch das Zimmerstutzenschießen im Winter unterblieb." Auf der selben Seite befindet sich eine Karte. In selbige ist das Eiserne Kreuz eingeprägt.

Darunter steht: "Wir Deutschen fürchten Gott aber sonst Nichts auf der Welt." Des weiteren befinden sich fünf Feldpostkarten (15.12.14, 10.01.15, 17.12.15, 20.12.15 und 06.01.16) auf den darauffolgenden Seiten. Das Eintreffen der Feldpostkarte von Georg Hartmut war für die Gesellschaft besonders schmerzlich. Geschrieben wurde sie am 20.12.15 und Hartmut bedankt sich darin für ein erhaltenes Weihnachtsgeschenk und hofft auf ein baldiges Ende des Krieges damit er wieder unter den hiesigen Schützen weilen kann. Zum Schluss schreibt er: "Wünsche euch allen recht frohe Weihnachtstage und rufe euch vom Schützengraben ein herzl. "Prosit Neujahr" zu." Leider sollte sich der Wunsch nicht mehr erfüllen, denn am 23.12.15 starb der erst 25ig jährige Buchbindermeister aus Abensberg auf dem westlichen Kriegsschauplatz. 

Nachzutragen ist noch, dass am 9. Februar 1915 die Generalversammlung stattfand. 1916 wurde zwar eine Generalversammlung abgehalten, die fälligen Wahlen wurden jedoch nicht durchgeführt, sondern alles beim Alten belassen. Die Generalversammlung 1917 fiel, ebenso wie die von 1918, dem Krieg zum Opfer. Es erübrigt sich zu erwähnen dass in den Kriegsjahren die üblichen Sommer- und Winterübungen, nebst dem Königs- und Gillamoosschießen, entfielen. 

Von unseren Mitgliedern wurden 25 aktive und 22 passive zum Militär einberufen. Davon starben im 1. Weltkrieg für das Vaterland: Georg Hartmut (23.12.1915), Andreas Dörner (14.05.1917), Greif Ludwig (06.04.1918) und Max Enzinger (07.05.1918). 

Am Sonntag, den 2. Februar 1919 fand in der Abensberger Klosterkirche ein Fest- und Dankgottesdienst für die heimgekehrten Krieger statt, an dem sich die Gesellschaft selbstverständlich beteiligte. Wenige Tage später, am 10. Februar kehrte dann in unserer Gesellschaft wieder der Alltag ein. An diesem Tag wurde die erste Ordentliche Generalversammlung nach dem 1. Weltkrieg abgehalten. Es waren erschienen: Schützenkommissär Nikolaus Stark, Schützenmeister Jakob Kroiß und 24 ordentliche Mitglieder.

In dieser Versammlung wurde der langjährige, leider erblindete, Schützenmeister Herr Johann Koller, zum Ehrenschützenmeister ernannt. Außerdem wurde ihm die Außerordentliche Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Leider verstarb der so Geehrte wenige Monate später am 7. Juli 1919. 

Aus einem Briefwechsel zwischen der Gesellschaft und der priv. Hauptschützengesellschaft München, bzw. dem Verlag der Illustrierten bayerischen Schützenzeitung geht hervor, dass die bayerische Schützenordnung von 1868 weiterhin Gültigkeit besaß aber Aufgrund der neuen Staatsform der Titel "Kgl." wegfiel. Der Titel "priv." durfte weiter geführt werden. Dass die Abensberger es verstehen zu Feiern ist hinlänglich bekannt. Dass die Abensberger Schützen es wagten, bereits 1919 wider ein Festschießen zu veranstalten, dürfte für so manchen Leser neu sein. Aber es entspricht der Tatsache. Am 14. und 15. September 1919 veranstaltete die priv. Schützengesellschaft Abensberg das Erste Gillamoosschießen im Freistaat Bayern. Verbunden war damit auch die Ermittlung des Schützenkönigs 1919. Es wurden 5 Scheibengattungen angeboten und insgesamt Preisgelder im Wert von 360 Mark ausgesetzt. Die Einlage kostete 12 Mark. Doch wer nicht wagt der nicht gewinnt. Und die hiesige Schützengesellschaft landete mit diesem Schießen einen Erfolg auf der ganzen Linie. Denn es gingen 47 Schützen aus ganz Bayern an die Stände und für die Vereinskasse ergab das Gillamoosschießen einen Überschuss von 607 Mark. 

Im Jahr darauf legte die Gesellschaft noch eins drauf. Wie schon 1910, so war auch 1920 der Gillamoosmarkt in Abensberg Vorbild für den Schützenball. Wenn man die Eintragungen zu dieser Veranstaltung im Chronikbuch betrachtet, so kommt man zu der Überzeugung, dass dieser Ball alles bisher dagewesene überbot. Denn wenn man sich folgende Auflistung durchliest, glaubt man sich wirklich auf dem Gillamoosmarkt. An Attraktionen wurde geboten: Karussell, Zirkus, Menagerie, Waffelbäckerei, Kasperltheater, Wahrsagerin, Glückshafen, Postanstalt, Edens Wundertheater und ein Gruselkabinett. Sogar einen eigenen Marktkommissär hatte man und der Gesellschaft wurde sogar eigens für diesen Ball ein Lied, nach der Melodie: "Schön ist's mit dem Umgang geh`n" gewidmet. Veranstaltet wurde das ganze am 14. Februar, ab 19 Uhr im Jungbräusaal. 

Nach diesem Neuanfang mit Pauken und Trompeten, war es der Gesellschaft gelungen, an die Jahre vor dem Krieg anzuschließen und man harrte nun der Dinge die da kommen sollten. Zunächst hieß es jedoch, Abschied nehmen. Völlig unerwartet verstarb am 27. Juli 1922 unser Schützenkommissär Nikolaus Stark, im Alter von lediglich 57 Jahren. In der darauf folgenden Generalversammlung, am 6. Januar 1923, wurde, mit Genehmigung des Bezirksamtes Kelheim, Herr Josef Weiß, als sein Nachfolger gewählt. Außerdem erfolgte an diesem Tag die Besprechung des bevorstehenden 375jährigen-Jubiläumsschießen. Bis es jedoch soweit war, wurde die Gesellschaft am 15. Februar von Herrn Münsterer sen., Schützenmeister der priv. Feuerschützengesellschaft Mainburg, gegr. 1865, um die Übernahme der Patenschaft bei der Fahnenweihe seiner Gesellschaft gebeten. Wie aus dem Schrei- ben vom 1. März, ebenfalls von Münsterer sen. unterschrieben, hervorgeht, übernahmen die Abensberger die Patenschaft.

Zeitgleich mit der Fahnenweihe, am Pfingstsonntag den 20. Mai, hielten die Mainburger vom Samstag den 19. Mai bis Dienstag den 22. Mai ein Fahnenweihschießen ab. Hier konnten unsere Schützen sehr gute Ergebnisse erzielen. So belegten die Schützen Kainz und Weiß auf der Festscheibe "Fahnenweihe" Platz 1 und 2. Insgesamt konnten die Abensberger 24 Preise mit nach Hause nehmen. Zudem erhielten wir, als die Gesellschaft die sich am Pfingstsonntag mit den meisten Schützen am Festzug und am Schießen beteiligte, eine seidene Stehfahne. 

Dann war es soweit. Der Durchführung des 375jährigen Jubiläumsschießen stand nichts mehr im Wege. Wie schon 1898, zum 350jährigen Jubiläumsschießen, erhielt die Gesellschaft auch diesmal Ehrengaben vom Hause Wittelsbach. So stiftete S.K.H. Kronprinz Ruprecht von Bayern einen silbernen Becher und S.K.H. Prinz Alfons von Bayern einen Pokal. Auch das Haus Thurn und Taxis unterstützte die Abensberger Schützen, wie schon vor 25 Jahren, mit einer Ehrengabe in Höhe von 5000 Mark. 

Das traditionelle Gillamoosschießen wurde 1923 nicht abgehalten. Doch lesen sie hierüber den original Eintrag ins Chronikbuch: 

"Leider war es nicht möglich ein Gillamoos-Schießen in diesem Jahr abzuhalten. Verschiedene kommunistische Radaubrüder aus Kelheim hatten nämlich während des Gillamoosmarktes planmäßig größere Unruhen hervorgerufen. Am Gill.-Sonntag inszenierten sie eine Rauferei. Die eingreifende Gendarmerie wurde von dem Pöbel in die Flucht geschlagen. Darauf wurde Schutzpolizei aus Ingolstadt und Regensburg zu Hilfe gerufen, die auch noch im Laufe des Nachmittags einige Züge stark auf Lastautos eintraf. Am Abend brannte zudem fast das ganze Anwesen des Anton Meier ab, wahrscheinlich war es von den Unruhestiftern in Brand gesteckt wurden. Als am nächsten Tag auf dem Gillamoos erneut eine Rauferei ausbrach, wurde der Platz von der Schupo mit Gummiknüppeln geräumt. Die Aufregung in der Stadt u. Umgebung war infolge dieser Vorgänge begreiflicherweise ungeheuer. Mit Rücksicht auf diese Unruhe in der Bevölkerung wurde beschlossen von der Abhaltung eines Gillamoosschießens Abstand zu nehmen. 

Die Gillamoosscheibe von 1925 erinnert heute noch, in eindrucksvoller Weise an die Vorfälle beim Gillamoos 1923. 1924 wechselten sich Trauer und Freude ab. Anfänglich verlief das Jahr zunächst ruhig. Jedoch am 28. Oktober verstarb völlig unerwartet unser Ehrenmitglied und Protektor des 350- und 375jährigen Jubiläumsschießen Herr Emanuel Freiherr von Kesling. 

Wenige Tage später, am 15. November, kam es in Mainburg zur Gründung des Gaues "Holledau". Bei den durchgeführten Wahlen wurde unser 1. Schützenmeister Josef Knebelsberger zum 2. Gauschützenmeister gewählt. Im folgenden Jahr besuchte die Gesellschaft 2 größere Auswärtige Preisschießen. Zum einen nahm man am 500jährigen Jubiläumsschießen der kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Landshut, das von ca. 800 Schützen besucht wurde, teil. Zum anderen meldete sich die kgl. priv. Schützengesellschaft Kelheim wieder einmal zu Wort. Ihr war es gelungen, die im Jahr 1903 erbaute und nach dem Krieg "infolge der ungünstigen Verhältnisse" verkaufte Schießstätte wieder zurückzukaufen. Aus diesem Grund wurde vom 11. bis 14. Juli 1925 ein Eröffnungsschießen abgehalten. Ein Höhepunkt war hier sicherlich die persönliche Anwesenheit des Protektors, S.K.H. Prinz Alfons von Bayern, beim Festabend am Montag, den 13. Juli, abends 20 Uhr im Ehrnthallerkeller. 

Anmerkung: 

Unsere Gesellschaft bediente sich erstmals der Bezeichnung "Feuerschützen-Gesellschaft" in der Ausschreibung zum Gillamoosschießen 1922. Der Titel "königlich" taucht erstmals nach dem 1. Weltkrieg in der Einladung zum Ehrenschießen am 29. Juni 1925 wieder auf und wird bis zur endgültigen Plichteintragung ins Vereinsregister beibehalten. 

Anlässlich der Jahrtausendfeier des Marktes Rohr/Nb. (aus heutiger Sicht wissen wir, dass es sich hierbei um einen Irrtum handelte, da der Markt Rohr erst 1997 650jähriges feiern konnte) fand das 8. Niederbayerische Zimmerstutzen-Verbandsschießen vom 29. Juni bis 4. Juli 1926, unter dem Protektorat S.K.H. Prinz Alfons von Bayern und unter starker Beteiligung unserer Gesellschaft, statt. Gleichzeitig fand am 29. Juni. um 10 Uhr die Weihe der Kreisverbands-Fahne des "Kreisverband Niederbayern des Bayr. Schützenverbandes e.V. (Niederbayer. Schützenverband e.V.) Sitz Deggendorf" statt. 

Zudem beteiligte sich die Gesellschaft auch am Festschießen, welches anlässlich der "Sechsjahrhundertfeier der Stadt Hemau" abgehalten wurde. 

Auch 1927 feierte man Auswärts. Die Schützengesellschaft Saal hatte eingeladen und wir sind derselben gefolgt. Die Teilnahme am 18. Deutschen Bundesschießen, vom 9. - 24. Juli 27 in München, verlief für die Mitglieder unserer Gesellschaft äußerst erfolgreich. Gleich 12 Schützen konnten sich auf den verschiedenen Scheibengattungen Preise erringen. Erfolgreichster Schütze war Ludwig Bayerl aus Regensburg. Er platzierte sich 17 mal. 

Als einen Gesellschaftlichen Höhepunkt während der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen kann man den Schützengillamoos vom 1 März 1930 bezeichnen.

Zu diesem Zweck wurde sogar eine eigene Zeitung herausgegeben. Sie trug den Titel "Schützen-Gillamoos-Zeitung" und wurde als "Hof- und Staatszeitung S. M. des Schützenkönigs Josefus des fünften" bezeichnet. Gleichzeitig war sie das Amtliche Organ des Schützenmeisteramtes während des Gillamoosmarktes. Als Erscheinungsrythmus wurde "alle 10 Jahre innerhalb der Stadtmauern Abensbergs" angegeben und "Die Hauptschriftleitung lehnte jede Verantwortung für den ganzen Inhalt ab." Doch nun wollen wir einmal einen Blick in dieses "Hochamtliche Blatt" werfen:

Amtliche Bekanntmachung:

 "Es ist bekannt geworden, dass die Ehefrauen der Schützen große Freude daran haben, wenn ihre Männer in den Ausschuß gewählt werden. Ganz unverständlich ist es daher, wenn die Frauen der Schützenmeister ihre Männer in der Weise beeinflussen, dass sie das Amt des Schützenmeisters niederlegen sollen. Ganz abgesehen davon, daß dies keinen Zweck hat, geruhen wir anzuordnen, daß diese Frauen 4 Wochen Haft bekommen. Strafantritt jeweils 4 Wochen vor der Generalversammlung. Gegeben in unserer Residenz Abusina: König Josef V., der Vorderhuber."

"Bei dem Andrang am Gillamoosmarkt muss die Gendarmerie strenge darauf sehen, dass jeder Besucher seine Vorschriftsmäßige Beleuchtung hat, sowie ein Katzenauge; letzteres natürlich hinten. Schnellgehen wegen eventl. Hühneraugen verboten." 

Verschiedene Tagesneuheiten: 

"Unglücksfall. Dem in weiten Kreisen bekannten pensionierten Schützenmeister Knebelmeier (gemeint ist hier Josef Knebelsberger) passierte kürzlich das Unglück einen Weißen zu schießen. Der Arzt konstatierte Gewehr-Arterienverkalkung. Der Patient soll schon wieder auf dem Wege zur Besserung sein". 

Auch Werbung findet man in diesem Blatt. So werden vom Schützenmeisteramt übrig gebliebene Blattl vom letzten Gillamoosschießen angeboten und für Wildenten Jäger ist ab sofort das neue Buch "Über unsere heimischen Wildenten" lieferbar. In diesem Buch sollen sehr hilfreiche Abbildungen und Beschreibungen von Haus- und Wildenten befinden, so die Werbung. Zum Leitartikel auf der ersten Seite sei noch gesagt, dass man der Hoffnung war, dass alle Gäste des 1930iger Schützen-Gillamooses mit dem Wunsch nach Hause gehen werden: "Auf Wiedersehen 1940!" 

Leider sollte dies jedoch der letzte Schützengillamoos in der Vereinsgeschichte gewesen sein. Um das ganze Schützen-Faschingstreiben ordentlich abzurunden, wurde auf Vorschlag der älteren Schützen spontan ein, seit längerem in Abensberg nicht mehr stattgefundener, Faschingszug organisiert. Verantwortlich waren hierfür die Schützenbrüder: Otto Stegmayer, Josef Weiß, Dr. Josef Senft und Hans Stark. Das Wiederauflebenlassen dieser alten Tradition, durch die Schützen, am 4. März 1930 war, laut Chronikbuch, ein großer Erfolg. Wenn man sich das ganze nun abschließend betrachtet, so kommt man unweigerlich zu der Überzeugung, daß die Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg mit ihren Faschingsveranstaltungen in den Jahren 1910, 1920 und besonders 1930 das Fundament errichteten auf dem der Stadtverband viele Jahre später den heutigen, immer am Faschingsdienstag statt- findenden - sofern das Wetter mitspielt - Faschingsgillamoos mit seinem bunten Treiben in der Stadt aufbaute.

 Nachdem das neue Jahr mit soviel Fröhlichkeit begonnen hatte, machte sich bald große Trauer breit. Am 23. Juni 1930 verstarb der 1. Gauschützenmeister des Gaues Holledau Herr Fritz Münsterer. Die Gesellschaft nahm an dessen Beerdigung teil und ließ durch Schützenmeister Dr. Senft einen Kranz niederlegen. 

Zu erwähnen ist jedoch, dass der Schützenball 1932 Aufgrund der Wirtschaftlichen Lage entfiel, (Anmerkung: Seit dem Schützengillamoos 1920 veranstaltete die Gesellschaft nur noch alle 2 Jahre einen Schützenball) der Ball 1934, der unter dem Motto "Im Weißen Rößl am Wolfgangssee" stand abgehalten wurde und ein großer Erfolg war. Erst 1935 findet man wieder ein größeres Festschießen. Anlass war das 25jährige Schützenmeisterjubiläum des 1. Schützenmeisters Jakob Kroiß. Die offizielle Bezeichnung des Schießens lautete: "Festschießen aus Anlass des 25jährigen Schützenmeister-Jubiläums des Herrn Jakob Kroiß verbunden mit dem Gillamoos- & Königsschießen" und fand am 8. September statt. 1936 veranstaltete die Gesellschaft wieder einen Schützenball. Ein großer Aufwand, wie in vergangenen Jahren, wurde jedoch nicht betrieben. Die Dekoration wurde vom Jägerball übernommen und er wurde diesmal auch unter kein Motto gestellt. Laut dem Chronikbuch war er aber ein großer Erfolg. 

Gleich zu Beginn des Jahres 1937 erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser ehemaliger Stadtpfarrer Herr Anton Frank im Alter von 74 Jahren in Regensburg gestorben war. Anton Frank war in seiner Zeit als Abensberger Stadtpfarrer ein treues Mitglied der Gesellschaft der sich auch an den verschiedenen Festschießen beteiligte. Mit dem Hochwürdigsten Herrn Domkapitular, Geistl. Rat Anton Frank verstarb der erste Schützenkönig der jemals in der nun schon 450jährigen Vereinsgeschichte ausgeschossen wurde. 

Das neue Jahr begann mit einer Bekanntmachung am 19. Januar 1938 in der hiesigen Tagespresse. In ihr hieß es, dass die Feuerschützengesellschaft Abensberg e.V. in das Vereinsregister eingetragen wurde. Die Eintragung erfolge Aufgrund des Beschlusses der Generalversammlung von 1936, in der die NS-Einheitssatzung anerkannt wurde. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Gesellschaft wurde 1938 von der Abhaltung eines Schützenballes abgesehen. Statt dessen veranstaltete man ein "Faschingsschießen" am 22. Februar. Wie viele Mitglieder sich jedoch daran beteiligten, geht aus den Vorhandenen Unterlagen nicht hervor. Das diesjährige (1938) Gillamoos- & Königsschießen, durchgeführt am 11. September, unterschied sich von allen bisher abgehaltenen Festschießen in Abensberg. Doch nicht die Kleinkaliberscheibe, die ja 1937 erstmalig dabei war, machte dieses Schießen so einmalig, sondern die Tatsache dass auch ein Tontaubenschießen in das Programm mit aufgenommen wurde. Nachfolgend nun der diesbezügliche Auszug aus dem Artikel über das 38iger Gillamoos- u. Königsschießen:

".....Gleich neben der Schießstätte hatten sich auf Einladung des Kreisjägermeisters Schmid die Jäger des Landkreises Kelheim versammelt, um ein Tontaubenschießen durchzuführen. Ständig umlagerte eine große Zuschauermenge den Platz. Aus dem Kreis heraus trat ein Jäger, lud seine Jagdflinte, legte an und kommandierte "Los"! In diesem Augenblick flog aus einem sicheren Unterstand die Tonscheibe heraus und schwang sich kreisend in die Höhe. Kurz bevor sie wieder herunterstieg, bellte der Schuss auf. Zersplitternd zerbrach die Scheibe. Ein rotes Fähnchen mit einem Stern schwebte zu Boden. Es war nicht leicht, die Tontaube gleich mit dem ersten Schuss zu treffen, dennoch sah man hervorragende Leistungen, die von lautem Beifall der Zuschauer begleitet waren." 

Das Tontaubenschießen gewann übrigens Schützenbruder Hans Stark. Dass dieses Schießen das Letzte vor Ausbruch des 2. Weltkrieges war, konnte an diesem Tag noch niemand ahnen. Doch leider ist dies die traurige Wahrheit. Denn, nachdem am 4. April 1939 das Zimmerstutzen-Endschießen abgehalten wurde, wurde die Schießstätte an der Münchener Straße auf Verfügung des Landrates Kelheim aus Sicherheitsgründen geschlossen. Diese Schließung aus Sicherheitsgründen hatte jedoch ein Vorspiel, welches bereits 1927 begonnen hatte. 

Auf der nächsten Seite im Chronikbuch können wir folgendes lesen: 

Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 Am 31. August 1939 holte Deutschland zum Schlag gegen den anmaßenden polnischen Staat aus. In den folgenden Tagen erklärten die Bundesgenossen Polens, Frankreich und England, Deutschland den Krieg. In einer denkwürdigen Reichstagssitzung gab der Führer des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, einen eingehenden Bericht über die Vorgeschichte dieses Krieges und betonte den großen Ernst der Lage. Der Beginn des großen Ringens gibt zu den größten Hoffnungen Anlass. Im blitzschnellen Zuschlagen wurde die polnische Millionen Armee vernichtet und das ganze Land in 18 Tagen besetzt. Die Schlagkraft namentlich der deutschen Luftflotte und Panzerwaffe erregen das Staunen der ganzen Welt.

Wie aber wird sich der Krieg gegen die beiden Weltmächte Frankreich und England entwickeln? Schon gleich bei Beginn des Krieges wurden verschiedene Mitglieder unserer Gesellschaft zu den Waffen gerufen. Unter diesen Umständen wurde natürlich der ganze Schießbetrieb eingestellt, auch die üblichen Zimmerstutzenabende wurden nicht mehr abgehalten. Was wird wohl die Zukunft bringen? Ende des Jahres 1941 entbrannte dann der Kampf um unsere Fahne. 

In der Chronik kann man darüber lesen: 

"Auf Anordnung der Kreisleitung Kelheim müßten die Fahnen sämtlicher nicht N.S. Vereine abgeliefert werden und sollten dann verbrannt werden. Dank der Bemühungen des Herrn Stadt-Oberinspektor Beck wurde jedoch genehmigt, dass die Fahnen im Stadtmuseum aufbewahrt wurden.

Unter der Jahreszahl 1945 findet sich folgender Eintrag im Chronikbuch:

"Am Samstag 27. April 1945 marschierten die Amerikaner in Abensberg ein. Vorher, seit 24.4., hatten bei Neustadt/D. und Umgebung schwere Kämpfe um den Donauübergang stattgefunden. Dabei wurde auch Abensberg mit Artillerie beschossen und ca. 50 Häuser u. die Pfarr- und Klosterkirche mehr oder minder schwer beschädigt. Unsere Schießstätte erlitt keinen Schaden. Während des ganzen Sommers 1945 befand sich auf der Wiese rechts der Münchener Straße, zwischen der Stadt und Schießstätte ein großes Zeltlager der Amerikan. Armee; es war eine Panzerabwehr Abteilung der "Tiger". Die Soldaten stiegen natürlich auch in die Schießhalle ein. Dabei verschwanden bedauerlicherweise auch einige wertvolle Scheiben. Die übrigen Scheiben wurden bei der Fa. Nikolaus Stark verwahrt. Durch Befehl der Militärregierung wurden sämtliche Schützenvereine verboten und damit unsere Gesellschaft aufgelöst. Es mußten sämtliche Gewehre, auch Zimmerstutzen und Luftgewehre abgeliefert werden. Selbst das Armbrustschießen ist verboten."

Dass das Königsschießen, am 7. Juni 1914, für längere Zeit das letzte Festschießen sein würde, ahnte an diesem Tag wohl keiner der 13 anwesenden Schützen. Doch dem war so. Nachdem am Sonntag, den 28. Juni, der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, ein Neffe des mit der bayerischen Herzogstochter Elisabeth verheiratetem österreichisch-ungarischen Kaisers Franz Josef I., und seine Frau in Sarajevo ermordet wurde, spitzte sich die Lage immer mehr zu. Österreich-Ungarn stellt am 23. Juli ein 48-stündiges Ultimatum an Serbien. Obwohl Serbien die gestellten Forderungen in fast allen Punkten erfüllte, brach der österreichisch-ungarische Gesandte, Wladimir Freiherr Giesl von Giesling, nach der Übergabe der serbischen Antwort, die diplomatischen Beziehungen ab und verlässt die serbische Hauptstadt. 

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